Der Einstieg in den Modellflug

Wer mit dem falschen Modell anfängt, verbringt die ersten Wochen mit Reparaturen statt mit Fliegen. Welches Modell verzeiht und welches nicht, ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Flügelform, und der schnellste Weg dorthin führt über einen Verein.

Elektrosegler-Modell im Gras, daneben ein Fernsteuersender

Welches Modell zum Einstieg passt

Die Modellklassen für den Einstieg unterscheiden sich nicht nach Geschmack, sondern nach Eigenstabilität. Ein hoch am Rumpf sitzender Flügel mit deutlicher V-Form richtet ein Modell nach einer Störung von selbst wieder auf, ganz ohne Zutun der Fernsteuerung. Bei einem tief sitzenden, geraden Flügel fehlt dieser Effekt, und jede Abweichung muss der Pilot selbst ausgleichen. Genau daran, nicht an der Optik, hängt es, welches Modell einen Anfänger verzeiht und welches ihn überfordert.

ModellklasseFlügelEignung für den Einstieg
Wurfgleiter, ohne Antriebmeist Hochdecker mit V-FormBester erster Schritt: keine Elektronik, kein Motor, nur Schwerpunkt und Wurf.
Segler mit Elektroantrieb (Motorsegler)Hochdecker, ausgeprägte V-FormDer klassische Einstieg in den ferngesteuerten Flug. Fliegt nach dem Loslassen der Knüppel von selbst geradeaus weiter.
Motormodell mit TiefdeckerFlügel tief am Rumpf, wenig oder keine V-FormSchneller und wendiger, aber ohne nennenswerte Eigenstabilität. Für den zweiten oder dritten Schritt, nicht für den ersten.
Nurflügel aus Schaumstoffkein separates LeitwerkRobust und günstig in der Anschaffung, fliegt sich aber ungewohnt und verzeiht Anfängerfehler schlechter als sein Ruf.
Multicopterkein Flügel, Lagestabilisierung durch ElektronikTechnisch der leichteste Einstieg, weil ein Regler die Fluglage hält. Rechtlich zählt er als Drohne.

Der Zusammenhang zwischen Schwerpunkt, Flügelform und Flugverhalten lässt sich auch ohne Modell und Fernsteuerung nachvollziehen: Bei einem gefalteten Papierflieger wirken dieselben Kräfte, nur im Kleinen. Die Physik dahinter steht unterAuftrieb.

RTF, ARF oder Bausatz: was ankommt

RTF (Ready to Fly)
Flugfertig aus dem Karton: Modell, Fernsteuerung, Akku und Ladegerät sind aufeinander abgestimmt und im Set enthalten. Am wenigsten Aufwand vor dem ersten Start, dafür die am wenigsten flexible Fernsteuerung.
ARF (Almost Ready to Fly)
Der Rumpf ist gebaut, Elektronik, Motor, Regler und häufig auch die Fernsteuerung fehlen noch und werden einzeln dazugekauft. Mehr Aufwand vor dem Erstflug, dafür eine Fernsteuerung, die zum nächsten und übernächsten Modell passt.
Bausatz
Nur die Bauteile, die gesamte Konstruktion samt Bespannen liegt beim Bastler. Baut Verständnis für die Statik eines Modells auf, ist als erstes Projekt aber selten der richtige Einstieg.

Was neben dem Modell nötig ist

Fernsteuerung
Die im RTF-Set mitgelieferte Anlage lässt sich meist nur mit genau diesem einen Modell verwenden und hat keine Lehrer-Schüler-Buchse. Wer dabeibleibt, kauft ohnehin bald eine eigene Fernsteuerung, die mehrere Modellspeicher verwaltet und sich mit der Anlage des Fluglehrers koppeln lässt.
Akkus und Ladegerät
Lithium-Akkus liefern die Leistung für den Elektroantrieb, verlangen aber ein passendes Ladegerät und Sorgfalt beim Laden und Lagern. Ein zweiter oder dritter Akku verlängert die Flugzeit pro Ausflug deutlich stärker als jedes teurere Modell.
Versicherung
Für jedes Flugmodell ist eine Haftpflichtversicherung Pflicht, unabhängig vom Gewicht. Was das im Einzelnen bedeutet und wie sie über die Vereinsmitgliedschaft eingeschlossen ist, steht unterModellflug und Recht.

Der Lehrer-Schüler-Betrieb

Der wirksamste einzelne Rat für den Einstieg ist keine Kaufentscheidung, sondern ein Kabel oder eine Funkverbindung. Beim Lehrer-Schüler-Betrieb werden zwei Fernsteuerungen gekoppelt, eine für den Fluglehrer und eine für den Anfänger. Solange der Schüler das Modell sicher führt, bleibt seine Anlage aktiv. Sobald es kritisch wird, übernimmt der Lehrer die Steuerung binnen eines Wimpernschlags, ohne dass ein Gerät gewechselt werden muss. Das ersetzt in der Praxis die ersten kaputten Modelle, die ein Einstieg ohne Anleitung sonst kostet, und ist der stärkste Grund, gleich über einen Verein einzusteigen statt allein auf einer Wiese.

Verbreiteter Irrtum: Ein Flugsimulator am Rechner gilt vielen als nette Ergänzung, die man sich sparen kann. Tatsächlich lassen sich die Grundbewegungen, allen voran die Steuerung im Kreisflug mit zum Piloten zeigender Nase, gefahrlos einüben und sparen damit reale Modelle. Ein Adapter für die Lehrer-Schüler-Buchse der eigenen Fernsteuerung kostet wenig und macht aus jedem Rechner einen Übungsplatz. Mehr dazu unterFlugsimulation am Rechner.

Wie man einen Verein in der Nähe findet

Die beiden bundesweiten Dachverbände sind der Deutsche Modellflieger Verband (DMFV) und der Modellflugsportverband Deutschland (MFSD), der im Deutschen Aero Club organisiert ist. Beide sind der Weg zu einem Verein, nicht nur die Versicherung im Hintergrund.

  1. Beim DMFV die Umkreissuche nutzen. Der Verband führt auf seiner Website eine Suche, die zu einer Postleitzahl die nächstgelegenen Mitgliedsvereine anzeigt.
  2. Beim MFSD die Region ansprechen.Der Verband ist bundesweit in Regionen gegliedert, Vereine gehören jeweils zu einer davon. Der direkte Weg führt über die Regionalvertretung oder die Geschäftsstelle.
  3. Einen Schnuppertermin vereinbaren. Die meisten Vereine bieten offene Flugtage oder feste Schnuppertermine an, oft mit einem Vereinsmodell zum Ausprobieren.

Was das kostet, liegt in einer erkennbaren Größenordnung: Der Verbandsbeitrag allein bewegt sich in der Größenordnung von vierzig bis fünfzig Euro im Jahr, der zusätzliche Vereinsbeitrag meist in ähnlicher Höhe. Dazu kommt oft eine einmalige Aufnahmegebühr, die von einem kleinen zweistelligen Betrag bis zu einigen hundert Euro reicht, je nachdem, wie viel der Verein in Gelände und Ausstattung investiert hat.

Die Mitgliedschaft ist mehr als Vereinsleben. Wer im Rahmen eines der beiden Verbände fliegt, folgt nicht der offenen Kategorie mit ihrer Höhengrenze und dem eigenen Kompetenznachweis, sondern dem Regelwerk des Verbandes, und die Halterhaftpflicht ist über die Mitgliedschaft eingeschlossen. Was daraus im Einzelnen folgt, steht unterModellflug und Recht.

Woran ein guter Verein für Einsteiger zu erkennen ist

Lehrer-Schüler-System
Wird es aktiv angeboten und ernst genommen, oder bleibt der Neuling nach der Begrüßung sich selbst überlassen?
Betreuung von Anfängern
Gibt es feste Ansprechpartner oder Ausbilder für neue Mitglieder, oder hängt alles davon ab, wer gerade zufällig Zeit hat?
Altersstruktur
Ein Verein nur aus langjährigen Mitgliedern im Rentenalter tickt anders als einer mit aktiver Jugendarbeit. Keine der beiden Formen ist grundsätzlich falsch, aber sie passen zu unterschiedlichen Erwartungen.
Platzordnung
Klare Regeln für Start, Landung und Vorflugkontrolle sind ein Zeichen für einen gut geführten Verein, keine Förmelei. Wo diese Ordnung fehlt oder niemand sie durchsetzt, häufen sich auf Dauer Unfälle.

Häufige Fragen

Ab wann können Kinder mit dem Modellflug anfangen?

Eine einheitliche untere Altersgrenze gibt es nicht, entscheidend ist das Gewicht des Modells. Jüngere Kinder fliegen oft schon am gekoppelten Lehrer-Schüler-System mit, wobei der Erwachsene jederzeit übernehmen kann. Die genauen Altersgrenzen für das eigenständige Fliegen stehen unter Modellflug und Recht.

Was, wenn ich beim Schnuppertermin noch kein eigenes Modell habe?

Das ist der Normalfall, kein Hindernis. Die meisten Vereine besitzen ein eigenes Schulungsmodell, das über das Lehrer-Schüler-Kabel gemeinsam mit einem erfahrenen Piloten geflogen wird. Ein eigenes Modell kaufen viele Einsteiger erst, nachdem sie ein paar Flugstunden gesammelt haben und wissen, welche Klasse zu ihnen passt.

Gibt es günstigere Mitgliedschaften für Kinder oder Familien?

Ja, praktisch jeder Verein und beide Dachverbände staffeln ihre Beiträge nach Alter, und für Familien mit mehreren fliegenden Mitgliedern gibt es meist einen Sammeltarif. Der Kinder- oder Jugendbeitrag liegt spürbar unter dem eines Erwachsenen, und die Aufnahmegebühr fällt für sie oft niedriger aus oder entfällt ganz.

Eignet sich ein gebrauchtes Modell aus Kleinanzeigen für den Einstieg?

Nur mit Vorsicht. Gebrauchte Modelle haben oft eine unbekannte Vorgeschichte an Abstürzen, und die mitgelieferte Fernsteuerung ist häufig veraltet oder lässt sich nicht mit einem neuen Empfänger koppeln. Wer trotzdem zugreift, lässt das Modell vor dem ersten Start von jemandem mit Erfahrung prüfen, am besten in einem Verein.

Worin unterscheidet sich der Einstieg in den Modellflug von dem in Drohnen?

Technisch kaum, rechtlich schon: Beide sind unbemannte Luftfahrzeuge und unterliegen denselben Grundpflichten. Der spürbare Unterschied liegt im Fluggefühl. Ein Flugmodell verlangt eigenständige Steuerung durch den Piloten, während eine Drohne die Fluglage über Sensoren selbst stabilisiert. Die rechtlichen Grundlagen für Drohnen stehen unter Drohnen.

Angaben zu Beiträgen und Aufnahmegebühren ohne Gewähr: Sie werden von jedem Verein und Dachverband eigenständig festgelegt und geändert. Zu den rechtlichen Wirkungen der Mitgliedschaft und zur Versicherungspflicht siehe Modellflug und Recht.